Artikel aus der Berliner Mo-Po vom 26.10.2007:
Gibt es für Berlin Thunder ein Comeback in der Halle?
Von Frank Weiss
Fast unbemerkt hat sich Berlin Thunder vor knapp vier Wochen aus der Sportszene der Hauptstadt verabschiedet. Ende September haben die Verantwortlichen des Football-Teams ihre Büroräume am Olympiastadion wieder der Stadionverwaltung übergeben. Das endgültige Aus mit dem Ende der NFL Europa schien besiegelt. Doch nun könnte es doch ein Comeback für Thunder geben - und zwar in der Halle.
Die Arena Football League (AFL), eine Profiliga in den USA, plant nach Europa zu expandieren. Die AFL will dabei mit bekannten Marken antreten. Derzeit bemüht sich die AFL um die Rechte an den Namen und Logos der ehemaligen NFL-Europa-Teams von Berlin Thunder über Frankfurt Galaxy bis London Monarchs. Ein Treffen zwischen AFL-Commissioner David Baker und seinem NFL-Kollegen Roger Goodell zu diesem Thema hat schon stattgefunden. Goodell soll dabei eine Einigung in Aussicht gestellt haben.
Vor zwei Wochen hatte Baker die Pläne verkündet: "Wir wollen in den kommenden drei bis fünf Jahren nach Europa expandieren." London und Berlin nannte der Liga-Chef dabei gar schon als mögliche Standorte. Was kein Zufall sein dürfte: In beiden Städten betreibt die Anschutz Entertainment Gruppe (AEG) zukünftig Arenen. Im ebenfalls zum AEG-Imperium gehörenden Staples Center in Los Angeles spielt das AFL-Team Avengers.
Die Hallen-Liga existiert in den USA seit 1987. Derzeit umfasst die AFL 17 Mannschaften sowie weitere 30 in der AFL2. Der durchschnittliche Wert eines AFL-Teams stieg in den vergangenen zehn Jahren von 280 000 auf 14 Millionen Euro. Im Schnitt besuchen rund 12 378 Zuschauer die Partien. Gespielt werden kann in jeder Halle, in die auch ein Eishockeyfeld passt. Statt elf gegen elf, stehen sich in der Halle nur jeweils acht Spieler gegenüber. Ergebnisse wie 62:54 sind bei dem Offensiv-Spektakel keine Seltenheit. David Baker spricht daher auch gern von der "All Fun League".
Noch haben allerdings nur fünf Teams die Gewinnzone erreicht. Wie in den USA Rockstar Jon Bon Jovi oder Ex-Quarterback John Elway sollen private Investoren die neuen Teams betreiben. Die jährlichen Kosten halten sich mit rund 3,5 Millionen Euro im Rahmen. Bei einem Kader von 20 Spielern (auf dem Feld sind 45 Profis notwendig) dürfen insgesamt 1,3 Millionen Euro an Gehältern gezahlt werden.
Um die Identifikationsprobleme der ehemaligen NFL-Europa-Teams zu umgehen, will die AFL keine Ausbildungsliga betreiben, sondern die möglichen neuen Mannschaften in den normalen Spielbetrieb einbinden. Eine Kontinuität bei den Spielern soll so gewährleistet werden. Gehen die Planspiele auf, könnten frühestens 2009 zunächst zwei Klubs an den Start gehen. Für das kommende Jahr sind erst einmal Showspiele geplant.








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